Kostensenkung in der Kunststoffverarbeitung: Smart Resourcing von Lehvoss
Die Kunststoffverarbeitende Industrie in Deutschland steht vor einem harten wirtschaftlichen Umfeld: Rückläufige Erlöse, hohe Energiekosten und ein intensiver internationaler Wettbewerb drücken die Margen. Gleichzeitig machen Roh- und Werkstoffkosten rund 45 % der gesamten Produktionskosten aus. Das neue Smart-Resourcing-Modell der Hamburger Lehvoss Gruppe bietet hier einen Hebel, um Entwicklungszeiten und Stückkosten ohne Qualitätseinbußen spürbar zu senken.
Inhaltsverzeichnis
Kostendruck und Branchenumfeld in der Kunststoffverarbeitung
Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) meldet für das Jahr 2025 einen Umsatz von 68,2 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 1,8 % gegenüber dem Vorjahr entspricht – das dritte Abschwungjahr in Folge. Gleichzeitig liegt das verarbeitete Kunststoffvolumen bei 11,8 Millionen Tonnen, ein Rückgang von 2,0 % gegenüber 2024. Das IMU Institut bestätigt, dass der durchschnittliche Materialkostenanteil im verarbeitenden Gewerbe bei etwa 45 % liegt (2024).
- Umsatz 2025: 68,2 Mrd. € (S1)
- Verarbeitetes Volumen 2025: 11,8 Mio. t (S1)
- Materialkostenanteil 2024: ca. 45 % (S2)
In diesem Kontext entscheidet der Materialeinsatz maßgeblich über die Wettbewerbsfähigkeit von Spritzgießern.
Smart Resourcing – Konzept und Einsparpotenziale
Das Smart-Resourcing-Konzept beruht auf sofort verfügbaren, validierten Compound-Rezepturen, die bereits in Serien eingesetzt werden. Durch den Verzicht auf kundenspezifische Neu- und Entwicklungsaufwände (NRE) können Materialkosteneinsparungen von 10 % bis 20 % realisiert werden – ohne die Rohstoffqualität zu reduzieren.
- Materialkosteneinsparung: 10-20 % (Zielwert 2026, S3)
- Haupttreiber: Wegfall von Entwicklungsaufwänden, nicht billigere Rohstoffe
- Verfügbare Standard-Rezepturen: Luvocom, Luvotech, Luvotech eco
Diese bestehenden Compound-Rezepturen genügen den Anforderungen laufender Serien, sodass keine Qualitätsverluste zu erwarten sind.
Lehvoss steht beim globalen Konkurrenzkampf zur Seite
Im „High End“-Segment der Hochleistungs-Compounds (Luvocom) sei das Unternehmen weltweit führend. Und diese Position wird man weiter ausbauen. Im Bereich der technischen und auf Rezyklat basierenden Compounds (Luvotech und Luvotech eco) haben die Hamburger Experten in den vergangenen Jahren ebenfalls eine führende Stellung erreicht.
Der Vorstoß von Lehvoss trifft einen wunden Punkt der Branche: Laut Erhebungen des Gesamtverbandes Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV 2026) verzeichneten deutsche Verarbeiter zuletzt im dritten Jahr in Folge rückläufige Erlöse auf 68,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig macht der Materialeinsatz in der industriellen Kunststoffverarbeitung im Schnitt rund 45 % der gesamten Herstellungskosten aus (IMU Institut 2024). Wenn Primärkunststoffe und maßgeschneiderte Spezialcompounds kalkulatorisch zu stark ins Gewicht fallen, geraten Verarbeiter gegenüber außereuropäischen Konkurrenten schnell ins Hintertreffen. Genau hier setzt die Vermeidung aufwendiger Neuformulierungen an, da sie Fixkosten dämpft, ohne die thermomechanische Leistungsfähigkeit zu beschneiden.
Verfahrenstechnische Erweiterung: Gewicht und Zykluszeit senken via Treibmittel
Neben der reinen Rezepturauswahl erweitert Lehvoss den Smart-Resourcing-Ansatz um chemische Treibmittel-Masterbatches (Luvobatch). Durch gezieltes Aufschäumen im Bauteilkern können bei großflächigen Komponenten bis zu 25 % Materialgewicht eingespart werden. Gleichzeitig reduzieren sich Kühlzeiten und Werkzeugtemperaturen, was zu niedrigeren Maschinenstundensätzen führt.
- Gewichtsreduktion durch Treibmittel-Masterbatches: bis zu 25 % (2026, S3)
- Optimierung von Kühlzeiten und Verarbeitungstemperaturen
- Zusätzlicher Kostenvorteil neben reinen Materialeinsparungen
Der Ansatz ist besonders wirksam bei Großteilen wie Türverkleidungen oder Leuchtengehäusen, wo das Schäumen im Werkzeugkern eingesetzt wird.
Praxisbeispiele und Anwendungsbereiche
Auf der Fakuma 2026 demonstrierte Lehvoss, wie das Smart-Resourcing-Modell in der Serienpraxis funktioniert. Beispiele zeigen, dass bereits laufende Großserien von der Reduktion des Materialkostenanteils profitieren, wenn vorhandene Werkstoffe überspezifiziert sind. Das Portfolio deckt thermoplastische Hochleistungs-Compounds (Luvocom), technische Thermoplaste, kreislauffähige Rezyklat-Compounds (Luvotech, Luvotech eco) sowie Additiv- und Treibmittel-Masterbatches (Luvobatch) ab.
- Neuentwicklungen mit engem Budgetrahmen
- Laufende Großserien, bei denen der Materialkostenanteil die Marge drückt
- Branchen mit hohen Qualitätsanforderungen (Automotive, Luftfahrt, Medizintechnik)
Risiken und Gegenmaßnahmen
Obwohl das Konzept klare Kostenvorteile bietet, gibt es branchenspezifische Hürden:
- Re-Qualifizierungsaufwand: In regulierten Serienanwendungen (z. B. Automotive nach VDA/PPAP, Luftfahrt, Medizintechnik) können formelle Freigaben, Werkzeug-Bemusterungen und Prüfberichte nötig sein, was die Einsparungen kurzfristig dämpfen kann.
- Werkzeugabstimmung und Schwindungsverhalten: Bestehende Spritzgießwerkzeuge sind exakt auf das Schwindungs- und Verzugsverhalten des Ursprungsmaterials ausgelegt. Selbst geringe rheologische Abweichungen einer Standard-Rezeptur können Prozessanpassungen oder Werkzeugkorrekturen erfordern.
Lehvoss adressiert diese Punkte durch umfangreiche Dokumentation der Standard-Rezepturen und durch enge Zusammenarbeit mit Kunden bei der Werkzeug- und Prozessoptimierung.
FAQ zum Smart Resourcing
Wie spart ‚Smart Resourcing‘ Kosten, ohne an der Rohstoffqualität zu sparen?Der Kostenvorteil entsteht durch den Wegfall kundenindividueller Neuformulierungen und zeitraubender Labor- und Freigabeschleifen. Durch den Zugriff auf bereits qualifizierte Bestandsrezepturen entfallen Entwicklungsumlagen und Projektlaufzeiten verkürzen sich drastisch.Welche Werkstofffamilien deckt das Konzept ab?Das Portfolio umfasst thermoplastische Hochleistungs-Compounds (Luvocom), technische Thermoplaste, kreislauffähige Rezyklat-Compounds (Luvotech, Luvotech eco) sowie Additiv- und Treibmittel-Masterbatches (Luvobatch).Für welche Einsatzbereiche lohnt sich der Ansatz besonders?Besonders attraktiv ist das Modell bei Neuentwicklungen mit engem Budgetrahmen sowie bei laufenden Großserien, bei denen der Materialkostenanteil stark auf die Marge drückt und bestehende Werkstoffe überspezifiziert sind.
Fazit
Im aktuellen Branchenumfeld, das von rückläufigen Umsätzen, hohen Energiekosten und einem Materialkostenanteil von rund 45 % geprägt ist, bietet das Smart-Resourcing-Modell der Lehvoss Gruppe ein ganzheitliches Instrument zur Kostensenkung. Durch den Verzicht auf teure Neu- und Entwicklungsaufwände können Materialkosteneinsparungen von 10 % bis 20 % erzielt werden, während die Qualität der bewährten Compound-Rezepturen erhalten bleibt. Die zusätzliche Möglichkeit, Bauteilgewicht und Zykluszeiten mittels Treibmittel-Masterbatches um bis zu 25 % zu reduzieren, verstärkt den wirtschaftlichen Nutzen weiter. Trotz notwendiger Re-Qualifizierungs- und Werkzeuganpassungen liefert das Konzept messbare Vorteile, die insbesondere für Unternehmen im harten internationalen Wettbewerb entscheidend sein können.
