Verankerung und Skalierung im Maschinenbau bei Haver & Boecker – 35 Jahre cronetwork MES
Im Jahr 2026 feiert die Industrie Informatik ihr 35-jähriges Jubiläum. Gleichzeitig blickt der Oelder Maschinenbauer Haver & Boecker auf eine mehr als zwei Jahrzehnte lange Partnerschaft mit dem Manufacturing Execution System (MES) cronetwork zurück. In hochgradig kundenspezifischen Fertigungen wie dem Maschinen- und Anlagenbau entscheidet die lückenlose Verbindung zwischen ERP und Werksebene über Liefertermintreue, Rüstzeiten und Resilienz gegen Störungen. Das folgende Praxisbeispiel zeigt, wie die langjährige Nutzung und kontinuierliche Weiterentwicklung des cronetwork MES bei Haver & Boecker messbare betriebliche Dimensionen liefert und gleichzeitig branchenweite Standards adressiert.
Inhaltsverzeichnis
Historischer Überblick der Zusammenarbeit
Die Wurzeln der Systemlandschaft reichen bis ins Jahr 1998 zurück, als Haver & Boecker erstmals eine elektronische Plantafel einsetzte. Im Jahr 2000 übernahm Industrie Informatik die Weiterentwicklung dieser Plantafel, und bereits 2002 wurde das vollständige MES cronetwork schrittweise im Werk Oelde etabliert. Seitdem steuern über 300 Mitarbeitende im Fertigungsbereich die Produktion von rund 700 Verpackungsmaschinen pro Jahr – ein jährlicher Ausstoß für die Schüttgut- und Baustoffindustrie. Die Partnerschaft ist damit ein Paradebeispiel für langfristige Stabilität und kontinuierliche Innovation.
Kernmodule des cronetwork MES
Nach Angaben des Produktionsleiters Andreas Bauer bilden die folgenden Module das funktionale Rückgrat der Fertigungsorganisation:
- Personalplanung
- Betriebsdatenerfassung (BDE)
- Feinplanung
Diese Module ermöglichen eine integrierte und schnittstellenfreie Datenbasis, die laut Bauer „es uns ermöglicht, zu agieren statt zu reagieren“. Die schnelle Rückmeldung aus der Produktion schafft hohe Transparenz über alle Prozesse.
Messbare Erfolge: Kennzahlen und Produktionsvolumen
Die Kombination aus cronetwork MES und dem übergeordneten SAP-System liefert konkrete betriebliche Kennzahlen:
- Mehr als 300 cronetwork-Nutzer im Werk Oelde (2024)
- Jährliche Fertigung von ca. 700 Verpackungsmaschinen (2024)
- Steigerung der Gesamtanlageneffektivität (OEE) um bis zu 12 % laut VDMA-Untersuchung (2025)
Durch die digitale Rückkopplung von Maschinendaten und Personalkapazitäten lassen sich Rüstzeiten minimieren und die Reihenfolgeplanung bei kurzfristigen Materialengpässen dynamisch anpassen.
Branchenweite Standards und Benchmarking
Der VDMA-Arbeitskreis MES hebt in seinem Whitepaper „MES für alle“ hervor, dass standardisierte Kennzahlenerfassungen nach VDMA-Einheitsblatt 66412 und ISO 22400 die Steuerung deutlich verbessern. Praxisbeispiele aus dem mittelständischen Maschinenbau, zu denen Haver & Boecker zählt, zeigen messbare Zuwächse bei der Anlageneffektivität und signifikante Senkungen der Durchlaufzeiten. Der erzielte OEE-Zuwachs von bis zu 12 % ordnet die Aussagen des Produktionsleiters in den Kontext branchenweiter Benchmarks ein.
Herausforderungen und Risikofaktoren
Trotz der Erfolge gibt es kritische Punkte, die die Wirksamkeit des MES beeinflussen können:
- Disziplin bei der Datenerfassung: Unvollständige oder verspätete Rückmeldungen („Garbage In, Garbage Out“) können Echtzeit-Feinplanung und Kennzahlenberechnung gefährden.
- Aufwand für heterogene Maschinenanbindung (Brownfield): Die propagierte schnittstellenfreie Datenbasis erfordert in gewachsenen Maschinenparks erhebliche Integrationsarbeit für Protokolle wie OPC UA und die Synchronisation mit ERP-Systemen wie SAP.
Beide Punkte werden von Haver & Boecker aktiv adressiert, um die Resilienz der Produktionssteuerung zu sichern.
FAQ zur Partnerschaft
- Seit wann kooperieren Haver & Boecker und Industrie Informatik genau?
Die Wurzeln reichen bis 1998 zurück, als eine Plantafel eingesetzt wurde; die Weiterentwicklung erfolgte 2000, und seit 2002 ist das MES cronetwork schrittweise als Gesamtlösung etabliert. - Wie grenzt sich das MES von klassischen ERP-Systemen wie SAP ab?
ERP-Systeme verwalten betriebswirtschaftliche Ressourcen auf Auftragsebene, während das MES die feinmaschige Taktung, reale Personal- und Maschinenauslastung sowie Rückmeldungen im Minutentakt direkt auf dem Shopfloor übernimmt. - Welche Standards definieren die Wirksamkeit von MES-Lösungen?
Industrielle Standards wie das VDMA-Einheitsblatt 66412 und die internationale Norm ISO 22400 definieren einheitliche Berechnungsformeln für Kennzahlen wie OEE, Rüstgrad und Verfügbarkeit.
Fazit
Die langjährige Nutzung des MES cronetwork bei Haver & Boecker demonstriert, wie eine konsequente digitale Fertigungsstrategie über Jahrzehnte hinweg betriebliche Resilienz, Effizienz und Transparenz schafft. Die enge Verzahnung von Personalplanung, BDE und Feinplanung liefert nicht nur eine stabile Datenbasis, sondern ermöglicht es dem Unternehmen, von reaktiven Abläufen zu proaktiven Entscheidungen zu wechseln – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil im Maschinen- und Anlagenbau. Gleichzeitig zeigen die VDMA-Benchmarks, dass standardisierte Kennzahlen und normgerechte Berechnungen messbare OEE-Steigerungen von bis zu 12 % ermöglichen. Die identifizierten Risiken bei Datenqualität und Maschinenanbindung verdeutlichen, dass kontinuierliche Disziplin und technische Integration unabdingbar bleiben. Insgesamt unterstreicht das Praxisbeispiel die Bedeutung langfristiger Softwarepartnerschaften und legt den Grundstein für zukünftige Innovationen wie KI-basierte Feinplanung und hybride Fertigungsplattformen, die im 35-jährigen Jubiläumsjahr von Industrie Informatik bereits in Planung sind.
