VDMA-Prognoserevision 2026/2027: Produktionsrückgang und mögliche Trendwende im deutschen Maschinenbau
Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat seine Jahresprognose für die deutsche Maschinenbauproduktion im Jahr 2026 revidiert und blickt bereits auf das nächste Jahr. Während 2026 das vierte Jahr in Folge mit einem Rückgang der Produktion einläutet, erwartet der Verband für 2027 ein Wachstum von drei Prozent. Diese Zahlen sind nicht nur für die Branche, sondern auch für die gesamte deutsche Wirtschaft von zentraler Bedeutung, da der Maschinen- und Anlagenbau rund eine Million Beschäftigte zählt und als wichtigster Exportmotor gilt.
Inhaltsverzeichnis
Produktionsentwicklung 2026: Vierter Rückgang in Folge
Die revidierte Prognose für 2026 beträgt ein reales Minus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr (Quelle: VDMA, S1). Im Zeitraum von Januar bis Juli lag die Produktionsentwicklung bereits bei minus 4,1 Prozent (S1). Damit bestätigt sich der Trend, dass seit 2023 kontinuierlich Rückgänge zu verzeichnen sind – ein Ergebnis von Lieferkettennachwirkungen, Energiepreiskrisen und steigenden Zinsen.
- Reale Produktionsprognose 2026: -2 % (S1)
- Produktionsentwicklung Jan-Jul 2026: -4,1 % (S1)
Leerlauf in den Fabriken
Die technische Kapazitätsauslastung blieb über weite Teile des Jahres deutlich unter dem langjährigen Branchendurchschnitt. Trotz einer leichten Aufhellung des Geschäftsklimas im zweiten Quartal 2026, blieben viele Werkshallen nur teilweise ausgelastet, was die Erholung der Produktion zusätzlich erschwert.
Auftragseingang 2026: Differenzierte Entwicklung
Während die Gesamtproduktion rückläufig ist, zeigte der preisbereinigte Auftragseingang in den ersten sieben Monaten 2026 ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Quelle: VDMA, S2). Dieser Zuwachs stammt nahezu ausschließlich aus Nicht-Euro-Ländern, deren Bestellungen um beeindruckende 14 % stiegen.
- Auftragseingang Jan-Jul 2026 gesamt: +5 % (S2)
- Bestellungen aus Nicht-Euro-Ländern Jan-Jul 2026: +14 % (S2)
Die VDMA-Analyse verdeutlicht damit das extreme Gefälle zwischen dem schwachen Binnenmarkt und den stark wachsenden Exportaufträgen aus Drittstaaten.
Geschäftsklima und Kapazitätsauslastung
Die VDMA-Konjunkturumfrage für das zweite Quartal 2026 zeigte, dass 28 % der befragten Unternehmen ihre Lage als „gut“ oder „sehr gut“ bewerteten, während ein Viertel (25 %) die Lage als „schlecht“ einstuften. Der Saldo drehte damit knapp ins Positive, was ein leicht verbessertes Stimmungsbild liefert, jedoch nicht ausreicht, um die anhaltende Unterauslastung zu kompensieren.
- Positive Lagebeurteilungen (Q2 2026): 28 % (S1)
- Negative Lagebeurteilungen (Q2 2026): 25 % (implizit)
Risiken und Gegenwind für die Trendwende 2027
Der erwartete Aufschwung im Jahr 2027 ist nicht breit abgestützt. Zwei zentrale Gegenrisiken werden vom VDMA hervorgehoben:
- Erholung nicht breit gestützt: Die Auftragszuwächse stammen vor allem aus volatilen Großanlagenprojekten und Drittstaatenaufträgen. Viele mittelständische Serienfertiger und Komponentenhersteller spüren bislang noch keine Belebung.
- Standortnachteile und Protektionismus: Hohe Energie- und Arbeitskosten in Deutschland sowie protektionistische Tendenzen – insbesondere US-Zölle – können die für 2027 prognostizierte Investitionsneigung dämpfen.
Ausblick 2027: Erwartetes Produktionsplus von drei Prozent
Für das Folgejahr 2027 rechnet der VDMA mit einem realen Produktionsplus von drei Prozent (Quelle: VDMA, S1). Die Prognose stützt sich auf eine robuste Weltwirtschaft, erwartete Investitionen in Maschinen und Geräte sowie staatliche Milliardenprogramme. Dennoch betont Chefvolkswirt Dr. Johannes Gernandt, dass ein nachhaltiger Aufschwung nur dann realisiert werden kann, wenn bessere Investitionsbedingungen privates Kapital mobilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland gestärkt wird.
- Reale Produktionsprognose 2027: +3 % (S1)
Warum schlägt sich das Auftragsplus aus dem Ausland noch nicht in der Produktion nieder?
Im Maschinen- und Großanlagenbau liegen zwischen Bestelleingang, Engineering und der eigentlichen Fertigung typischerweise mehrere Monate bis Quartale. Zudem reicht der Anstieg in der zweiten Jahreshälfte nicht aus, um den Produktionseinbruch des ersten Halbjahres (-4,1 %) rechnerisch auszugleichen.
Seit wann schrumpft die deutsche Maschinenbauproduktion?
Das Jahr 2026 markiert das vierte Rezessionsjahr in Folge für die Branche; die Rückgänge begannen 2023 und resultieren aus Lieferkettennachwirkungen, Energiepreiskrisen und Zinsanstiegen.
Fazit
Die VDMA-Prognoserevision für 2026 bestätigt einen anhaltenden Produktionsrückgang von zwei Prozent, während der Auftragseingang aus Nicht-Euro-Ländern stark zunimmt. Das gemischte Bild aus leicht verbessertem Geschäftsklima, aber weiterhin unterausgelasteten Kapazitäten, macht die erwartete Trendwende für 2027 zu einer vorsichtigen Erwartung. Entscheidend werden stabile Rahmenbedingungen, eine Entlastung von Energie- und Arbeitskosten sowie ein breiteres Auftragswachstum im Inlandsmarkt sein, um das prognostizierte Plus von drei Prozent zu realisieren.
