NexGeM 2027 – Smarte Metallbearbeitung als neues Parallel-Event zur Hannover Messe
Im Frühjahr 2027 eröffnet der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) ein völlig neues Messeformat: die NexGeM. Vom 5. bis 8. April 2027 findet die Veranstaltung parallel zur Hannover Messe statt und richtet den Fokus ausschließlich auf smarte Metallbearbeitung, Digitalisierung und vernetzte Fertigungsprozesse. Damit schließt der VDW eine spürbare Lücke im deutschen Maschinenbaumarkt, die nach der Verlagerung der EMO nach Mailand entsteht.
Inhaltsverzeichnis
Strategischer Hintergrund und Messekalender
Die EMO, die traditionell im Dreijahresrhythmus zwischen Hannover und Mailand wechselt, wird 2027 in Mailand (Fiera Milano) ausgerichtet (EMO-Austragungsort 2027: Mailand, Quelle S1). Die nächste reguläre EMO in Hannover folgt erst 2029 (Quelle S1). Dieser Wechsel erzeugt ein „EMO-Zwischenjahr“, in dem deutsche Werkzeugmaschinenunternehmen ohne eigene Plattform im internationalen Fokus stehen. Der VDW nutzt diese Lücke, um mit der NexGeM eine eigenständige Bühne für digitale Themen zu schaffen und die Präsenz am heimischen Standort zu sichern.
Der VDW repräsentiert rund 300 Mitgliedsunternehmen, die etwa 90 % des deutschen Werkzeugmaschinenmarktes ausmachen (Statistik 2024, Quelle S3). Die Größe und Marktdominanz des Verbandes untermauert die strategische Notwendigkeit, eigenständig ein Event zu initiieren, das nicht von der klassischen EMO-Thematik überschattet wird.
Fokus der NexGeM – Smart Metalworking, Digitalisierung und Vernetzung
Im Unterschied zu klassischen Maschinenpräsentationen steht die NexGeM ausschließlich auf software-gestützte Fertigung. Themen wie Industrie-4.0, digitale Zwillinge, KI-unterstützte Prozessoptimierung, MES (Manufacturing Execution Systems), IIoT (Industrial Internet of Things), Cloud- und Edge-Computing werden in den Vordergrund gerückt. Die Messe soll zeigen, wie Werkzeugmaschinen, Produktionssysteme und Peripherie durch Automatisierung, Robotik und offene Datenstandards effizienter und wirtschaftlicher werden.
Die Veranstaltung wird als Co-located Event zur Hannover Messe positioniert – die größte Industriemesse Europas – und profitiert von deren Besucher- und Aussteller-Struktur. Gleichzeitig bleibt die NexGeM inhaltlich eigenständig und vermeidet eine bloße „kleine EMO Hannover“.
Technologischer Rahmen – umati-Initiative und OPC-UA
Ein zentraler Baustein der Digitalisierung ist die vom VDW mitgetragene Initiative umati. Sie definiert offene OPC-UA-Companion-Specifications, die herstellerunabhängige Kommunikation zwischen Werkzeugmaschinen, IT-Systemen und Cloud-Plattformen ermöglichen. Bis 2025 wurden über 25 OPC-UA-Beschreibungen implementiert (Implementierte OPC-UA-Spezifikationen > 25, Quelle S2) und mehr als 15 Industriesektoren unterstützt (Unterstützte Industriesektoren > 15, Quelle S2). Diese Standards bilden die technische Grundlage dafür, dass auch Bestandsmaschinen nachgerüstet und in vernetzte Produktionsumgebungen integriert werden können.
Industrie-4.0-Sicherheitsrichtlinien – NIS-2 und CRA
Parallel zur technischen Vernetzung steigen regulatorische Anforderungen. Seit 2024 gelten in der EU der Cyber Resilience Act (CRA) und die NIS-2-Richtlinie (Geltendes Gesetz zur OT-Software-Cyberresilienz, Quelle S4). Sie verpflichten Hersteller und Betreiber, Sicherheitsmaßnahmen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg zu implementieren. Die NexGeM adressiert diesen Aspekt explizit und stellt Sicherheits- und Compliance-Lösungen in den Mittelpunkt ihres Programms.
Nutzen für Unternehmen – Chancen und Herausforderungen
Die NexGeM bietet Unternehmen zahlreiche Mehrwerte:
- Einblick in aktuelle und kommende digitale Transformationsstrategien für die Metallbearbeitung.
- Präsentation von Best-Practice-Beispielen für die Nachrüstung von Bestandsmaschinen mit KI-fähiger Software, Edge-Geräten und OPC-UA-Kompatibilität.
- Netzwerk-Möglichkeiten mit IT- und Software-Anbietern, die auf der Hannover Messe präsent sind.
- Direkter Zugang zu Experten für Cybersecurity, die sonst nur auf spezialisierten Fachveranstaltungen zu finden sind.
Gleichzeitig werden kritische Punkte deutlich:
- Höhere Kosten für Nachrüstung: Viele Bestandsanlagen sind über 15 Jahre alt. Die Integration von KI-Software, Edge-Geräten oder OPC-UA-fähiger Hardware kann für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erhebliche Investitionen bedeuten.
- Profilrisiko im Messe-Konglomerat: Als Teil der Hannover Messe muss die NexGeM ihren thematischen Fokus klar verteidigen, um nicht von allgemeinen Automations- oder IT-Themen übertönt zu werden.
FAQ zur NexGeM
Warum startet die NexGeM im Jahr 2027?
Der Start folgt direkt auf den internationalen Messekalender: 2027 findet die EMO in Mailand statt. Der VDW nutzt diese Lücke, um eine Plattform für smarte Metallbearbeitung in Deutschland zu etablieren.
Welche Rolle spielt die Initiative umati bei der NexGeM?
Umati liefert den OPC-UA-Standard für die Kommunikation von Werkzeugmaschinen mit IT-Systemen und Cloud-Plattformen. Sie ermöglicht herstellerunabhängige Vernetzung – insbesondere für nachzurüstende Bestandsmaschinen.
Was unterscheidet die NexGeM von der EMO?
Während die EMO als Weltleitmesse für Werkzeugmaschinen gilt, liegt der Schwerpunkt der NexGeM auf softwaregestützter Fertigung – von Industrie-4.0 bis Cybersecurity. Die NexGeM vermeidet eine Duplizierung der EMO und konzentriert sich auf Prozesse der digitalen Wertschöpfungskette.
Hier trifft man Experten, die sonst nicht erreichbar sind
Die NexGeM schafft ein exklusives Forum, in dem Fachleute aus Maschinenbau, IT-Sicherheit und Softwareentwicklung zusammenkommen. Dieser direkte Austausch ermöglicht Unternehmen, konkrete Strategien für die digitale Transformation zu entwickeln und gleichzeitig die regulatorischen Anforderungen von NIS-2 und CRA zu berücksichtigen.
Durch die enge Verknüpfung mit der umati-Initiative erhalten Besucher praxisnahe Einblicke in offene OPC-UA-Spezifikationen und deren Anwendung in bestehenden Produktionsumgebungen. So wird die Lücke zwischen klassischer Werkzeugmaschinentechnik und moderner, vernetzter Fertigung geschlossen.
Fazit
Die NexGeM 2027 ist mehr als ein weiteres Messe-Event: Sie ist ein strategisches Gegenstück zur EMO, das den deutschen Werkzeugmaschinenmarkt in ein digitales Zeitalter führt. Mit einem klaren Fokus auf smarte Metallbearbeitung, offenen Kommunikationsstandards (umati), und den aktuellen Sicherheitsvorgaben (NIS-2, CRA) adressiert die Messe sowohl technologische als auch regulatorische Herausforderungen. Trotz möglicher Kosten für die Nachrüstung bietet die NexGeM Unternehmen die Chance, ihre Produktionssysteme zukunftssicher zu machen, neue Partner zu gewinnen und in einem hochkarätigen Netzwerk sichtbar zu werden. Für die rund 300 VDW-Mitglieder, die etwa 90 % des deutschen Marktes repräsentieren, ist die NexGeM damit ein entscheidender Baustein, um die digitale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.
