Digitalisierte Spannsysteme und kontaktlose Datenübertragung – Innovationen von SMW auf der AMB 2026
Der wachsende Fachkräftemangel und der zunehmende Kostendruck zwingen die zerspanende Industrie, Rüstzeiten drastisch zu verkürzen und Werkzeugmaschinen für mannlose Schichten sowie hochflexible Klein- und Großserienfertigung zu automatisieren. Auf der internationalen Fachmesse AMB 2026 präsentierten SMW-Autoblok und SMW-electronics ein Portfolio digitalisierter und automatisierbarer Spannsysteme sowie ein induktives Koppelsystem, das Energie und Daten berührungslos überträgt. Die vorgestellten Lösungen zeigen, wie moderne Fertigungsstraßen Prozesssicherheit, Flexibilität und Produktivität gleichzeitig erhöhen können.
Inhaltsverzeichnis
Automatisierte Spanntechnik – KNNS-matic-2G für schnellen Backenwechsel
Das Kraftspannfutter KNNS-matic-2G ist speziell für den Zusammenschluss mit Industrierobotern entwickelt worden. Durch einen vereinfachten Ausklink-Mechanismus lässt sich der Backenwechsel vollständig automatisiert durchführen, wodurch wertvolle Rüstzeit eingespart wird.
- Automatischer Backenwechsel per Roboter
- Vereinfachter Ausklink-Mechanismus reduziert mechanische Komplexität
- Ergänzbares Zubehör, z. b. digitales Werkstückanschlag-System e-sensing
- Geeignet für rotatorische Anwendungen in vollautomatisierten Serienproduktionen
Stationäre Langhubspanner der SLX-Serie – Flexibilität für 24/7-Fertigung
SLX digit 230 compact – Stufenlose Hub- und Spannkraftanpassung
Der SLX digit 230 compact kombiniert konventionelle Hydraulik mit einem integrierten digitalen Wegmesssystem. Der Hub lässt sich stufenlos an jedes Bauteil anpassen, und das System unterstützt einen automatisierten Backenwechsel per Roboter.
- Spannkraft: 39 kN (2026, Quelle S2)
- Wegmessfrequenz: 256 Abtastungen /s (2026, Hinweis: Digitales Wegmesssystem im SLX digit)
- Stufenlose Hub-Einstellung für unterschiedliche Werkstückgrößen
- Roboter-unterstützter Backenwechsel für reduzierte Rüstzeiten
SLX e-motion 520 – Mechatronische Spannkraftüberwachung
Die mechatronische Variante SLX e-motion 520 liefert nicht nur eine einstellbare Spannkraft, sondern überwacht diese permanent. Die integrierten Sensoren messen die Kraft mit einer Genauigkeit von ±0,3 % (VDMA-Angaben, 2026) und ermöglichen so eine frühzeitige Fehlererkennung.
- Spannkraft: 27 kN (2026, Quelle S2)
- Messgenauigkeit Kraft: ±0,3 % (2026, Hinweis: SLX e-motion 520)
- Prozesssicherheit durch permanente Spannkraftüberwachung
- Integration in Profinet oder EtherNet/IP für mannlose Fertigungsschichten
Durch die kontinuierliche Überwachung können Werkstückverspannungen frühzeitig erkannt und gestoppt werden – ein entscheidender Vorteil für 24/7-Produktionsumgebungen ohne visuelle Eingriffe.
Induktive Koppelsysteme C80 Giga – Echtzeitkommunikation ohne Kontakt
Das induktive Koppelsystem C80 Giga überträgt Energie und Daten berührungslos über einen Luftspalt von bis zu 3 mm. Es unterstützt sowohl Fast-Ethernet mit 100 MBit/s als auch Gigabit-Ethernet mit 1 GBit/s, wodurch hochauflösende Bilddaten und Sensorwerte in Echtzeit übermittelt werden können.
- Dauerleistung: 75 W bei 24 V (2026, Quelle S1)
- Maximale Datenübertragungsrate: 1 GBit/s (2026, Quelle S1)
- Luftspalt: bis zu 3 mm – berührungslose Energie- und Datenübertragung
- Einsatz möglich für komplexe Kamera- und Sensoranwendungen in rotativen Systemen
Die hohe Übertragungsrate ermöglicht die verzögerungsfreie Übertragung hochauflösender Bilddaten integrierter Kamerasysteme, etwa für Werkstücklage- oder Nullpunktkontrolle, und liefert lückenlose Rückmeldungen hochfrequenter Sensorwerte aus dem rotierenden Spannfutter.
Ein oft unterschätzter Vorteil der digitalen Spanntechnik ist die Integration sensorgestützter Prozessüberwachung. Moderne Spanner wie der SLX e-motion 520 liefern präzise Messwerte mit hoher Genauigkeit von ±0,3 % (VDMA 66261) und ermöglichen so eine automatisierte Fehlererkennung. Kombiniert mit den digitalen Kommunikationsoptionen und der kontaktlosen Übertragung über das C80-Giga-System steigt die Robustheit des gesamten Fertigungssystems deutlich – eine Notwendigkeit in der zunehmend automatisierten Fertigung ohne menschliche Begleitung.
Einsatzbereiche und Nutzen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Die stationären Spannsysteme der SLX-Kompakt-Serie finden primär in mittelständischen Unternehmen Anwendung, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Investitionskosten und Automatisierungsgrad anstreben. Laut VDMA-Fertigungsbericht 2023 machen stationäre Spannvorgänge 68 % der gesamten Fertigungszeit in KMU aus (2024).
- Dominanter Einsatz in Zerspanungszentren für Metall- und Maschinenbauteile
- Balance zwischen Kosten und Flexibilität für Klein- und Großserien
- Verbesserte Wertschöpfungskette durch Digitalisierung und Prozessintegrität
Herausforderungen und Risiken bei der Einführung digitaler Spannsysteme
- Investitionsaufwand und Steuerungsintegration: Die Umstellung auf mechatronische Spannsysteme mit Feldbus-Anbindung (Profinet/EtherNet/IP) erfordert Eingriffe in die Maschinen-SPS und verursacht höhere Anschaffungskosten im Vergleich zu rein mechanischen Standard-Spannmitteln.
- Störeinflüsse bei extremen Späne- und Emulsionsmengen: Induktive Koppler arbeiten verschleißfrei, jedoch müssen Einbauräume vor massiven metallischen Späneansammlungen geschützt oder regelmäßig gespült werden, um Feldverzerrungen im 3-mm-Luftspalt zu vermeiden.
FAQ – Häufige Fragen zu digitalen Spannsystemen
Welche Vorteile bieten mechatronische Spanner gegenüber hydraulischen Systemen im mannlosen Betrieb?Mechatronische Spanner wie der SLX e-motion erlauben eine stufenlose, programmierbare Kraft- und Positionseinstellung prozessspezifisch per SPS und arbeiten ohne Hydraulikaggregate, was Leckagerisiken eliminiert und den Energiebedarf im Stillstand senkt.Wofür wird eine 1-GBit/s-Echtzeitübertragung an einer Spannvorrichtung benötigt?Gigabit-Ethernet ermöglicht die verzögerungsfreie Übertragung hochauflösender Bilddaten integrierter Kamerasysteme (z. b. zur Werkstücklage- oder Nullpunktkontrolle) sowie die lückenlose Rückmeldung hochfrequenter Sensorwerte direkt aus dem rotierenden Spannfutter.Wie verbessert die digitale Spannkraftüberwachung in SLX-Systemen die Fertigungsqualität?Durch ständige Messung und Anpassung der Spannkraft kann ein optimaler Klemmzustand sichergestellt werden, was Verspannungen und Fehler in der Bearbeitung vermeidet – besonders relevant bei 24/7-Fertigungsschichten ohne visuelle Eingriffsmöglichkeit.
Fazit
Die auf der AMB 2026 vorgestellten Lösungen von SMW-Autoblok und SMW-electronics demonstrieren, dass digitalisierte Spannsysteme und induktive Koppelsysteme zentrale Bausteine für die zukünftige, mannlose Fertigung sind. Der KNNS-matic-2G reduziert Rüstzeiten durch robotergestützten Backenwechsel, die SLX-Serie kombiniert hydraulische Robustheit mit digitaler Präzision und die C80 Giga sorgt für kontaktlose, hochgeschwindige Daten- und Energieübertragung. Trotz höherer Investitionskosten und technischer Herausforderungen ermöglichen diese Technologien eine signifikante Prozesssicherheit, Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere für mittelständische Unternehmen, die den Fachkräftemangel aktiv mit Automatisierung begegnen wollen.
