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Sinumerik One: KI-fähige CNC-Steuerung bereit für den EU Cyber Resilience Act

12. August 2026 by Redaktion

Siemens hat im Juli 2026 eine neue Hardwaregeneration für die CNC-Steuerung Sinumerik One vorgestellt. Die Generation kombiniert erhöhte Rechenleistung, eine 64-Bit-Architektur und spezielle Hardware-Anpassungen, um die wachsenden Anforderungen von Industrial-AI-Anwendungen und des EU-Cyber Resilience Act (CRA) zu erfüllen. Für Werkzeugmaschinenbauer bedeutet das, dass sie künftig mit einer Plattform arbeiten können, die sowohl die nötige Performance für datenintensive KI-Modelle als auch integrierte Sicherheits- und Wartbarkeits-Features bietet – ein entscheidender Schritt in einem regulatorisch stark beanspruchten Markt.

Inhaltsverzeichnis

  • Neue Hardwaregeneration – Mehr Leistung für Industrial AI
  • Regulatorischer Fristendruck durch den EU Cyber Resilience Act
    • Kernanforderungen des CRA für CNC-Hardware
  • Zusammenwirken von CRA, neuer EU-Maschinenverordnung und AI Act
  • Vorteile für Werkzeugmaschinenbauer
  • Herausforderungen und Gegenüberlegungen
  • Häufig gestellte Fragen (FAQ)
  • Fazit

Neue Hardwaregeneration – Mehr Leistung für Industrial AI

Die Kerninnovation der Sinumerik One-Generation liegt in der neuen Prozessorfamilie und der dazugehörigen ASIC-Lösung. Die wichtigsten Merkmale im Überblick:

  • NCU 1740.2 und NCU 1760.2: Prozessoren mit deutlich höherer Rechenleistung im Vergleich zu Vorgängermodellen.
  • Neuer PLC-ASIC: Speziell für SPS-Funktionen entwickelte Hardware, die erweiterte Profinet-Funktionen und langfristige Verfügbarkeit sicherstellt.
  • 64-Bit-Architektur: Bildet die technische Grundlage für die parallele Verarbeitung großer Datenmengen, die für Echtzeit-KI-Analysen, Edge- und Cloud-Vernetzung sowie vorausschauende Wartung nötig sind.
  • Verbesserte Grafikprozessoren: Unterstützen moderne HMI-Konzepte und anspruchsvolle Visualisierungen.
  • Langzeit-Wartbarkeit und Systemresilienz: Architektur ist auf langfristige Updates und robuste Sicherheit ausgelegt.

Durch diese Komponenten können Anwender datenintensive Anwendungen ausführen, ohne Leistungseinbußen zu erleiden.

Regulatorischer Fristendruck durch den EU Cyber Resilience Act

Der EU Cyber Resilience Act (EU 2024/2847) legt verbindliche Sicherheitsmechanismen für digitale Produkte über den gesamten Lebenszyklus fest. Die wichtigsten Termine:

  • 11. September 2026 – Start der Meldepflicht für aktiv ausgenutzte Schwachstellen (Art. 14). Hersteller müssen innerhalb von 24 Stunden Vorfälle an ENISA/CSIRTs melden (Quelle S1).
  • 11. Dezember 2027 – Vollständige Anwendbarkeit der CRA-Produktanforderungen. Alle neu auf den Markt gebrachten vernetzten Industrieprodukte benötigen ein CRA-konformes CE-Kennzeichen (Quelle S1).

Für Maschinenbauer bedeutet dies, dass die Einhaltung dieser Vorgaben nicht mehr optional, sondern ein Kernbestandteil der Produktentwicklung ist. Die von Siemens entwickelte CRA-ready-Hardware reduziert den Aufwand für eigenständige Bedrohungsanalysen und langfristige Patch-Prozesse erheblich.

Kernanforderungen des CRA für CNC-Hardware

Der CRA fordert unter anderem:

  • Integrierte Schutzmechanismen, die gegen digitale Manipulationen wirksam sind.
  • Langfristige Update-Fähigkeit und transparente Dokumentation (SBOM).
  • Nachweisbare Systemresilienz über den gesamten Produktlebenszyklus.

Sinumerik One wurde von Grund auf nach diesen Vorgaben entwickelt, wodurch Werkzeugmaschinenbauer von einer sofort einsatzbereiten, zertifizierten Basis profitieren.

Zusammenwirken von CRA, neuer EU-Maschinenverordnung und AI Act

Ab 2027 treffen mehrere regulatorische Vorgaben gleichzeitig ein:

  • 20. Januar 2027 – Inkrafttreten der neuen EU-Maschinenverordnung (EU 2023/1230). Sie verlangt u. a. Schutz der Steuerungslogik gegen digitale Manipulation (Quelle S2).
  • 2. August 2027 – Beginn der Anwendung des AI Act für sicherheitsrelevante KI-Komponenten (Quelle S2).

Die gesteigerte Rechenleistung der NCU-Prozessoren und der neue PLC-ASIC liefern die nötigen Ressourcen, um sowohl die erweiterten Cybersicherheits-Features der Maschinenverordnung als auch die KI-Modelle des AI Act ohne Leistungseinbußen auszuführen. Damit positioniert sich die Sinumerik One-Generation als zentrale Technologieplattform für den europäischen Maschinenbau im Zeitraum ab 2027.

Vorteile für Werkzeugmaschinenbauer

Die Kombination aus technischer Innovation und regulatorischer Konformität liefert konkrete Nutzen:

  • Reduzierte Compliance-Aufwände: CRA-ready-Hardware übernimmt die grundlegenden Sicherheits- und Wartbarkeits-Anforderungen.
  • Zeit- und Kostenersparnis: Keine separaten Zertifizierungsprozesse für die Kern-Steuerung, geringerer Aufwand für Bedrohungsanalysen.
  • Leistungsreserven für KI: 64-Bit-Architektur ermöglicht Echtzeit-Verarbeitung großer Sensor-Datensätze für Qualitätsüberwachung, Schwingungsanalyse und vorausschauende Wartung.
  • Cloud-Vernetzung: Direkte Anbindung an industrielle Cloud-Plattformen und Edge-Infrastrukturen.
  • Langfristige Systemresilienz: Architektur ist auf langfristige Updates, sichere Profinet-Kommunikation und robuste HMI-Lösungen ausgelegt.
  • Verbesserte Bedienbarkeit: Moderne Grafikprozessoren unterstützen intuitive Visualisierungen und reduzieren Rüst- sowie Schulungszeiten.

Herausforderungen und Gegenüberlegungen

Trotz der vielen Vorteile gibt es kritische Punkte, die Hersteller beachten müssen:

  • Keine automatische Gesamtsystem-Compliance: Die CRA-ready-Bezeichnung bezieht sich ausschließlich auf die Siemens-Komponenten. Hersteller bleiben verantwortlich für die Zertifizierung ihrer eigenen Software-Erweiterungen, Sensorik, Cloud-Schnittstellen und Fernwartungszugänge (Annex I des CRA).
  • Erhöhte Komplexität und Angriffsfläche: Durch die stärkere Vernetzung mit Cloud- und KI-Infrastrukturen entstehen neue Angriffsvektoren im Industrial-IoT, die ein lebenslanges Schwachstellen-Management und regelmäßige Sicherheits-Updates erfordern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet ‚CRA-ready‘ bei der neuen Sinumerik-One-Hardware für Werkzeugmaschinenbauer?Es bedeutet, dass Siemens die Hardware- und Firmware-Architektur (NCU 1740.2/1760.2) nach den Anforderungen des EU Cyber Resilience Act und IEC 62443 entwickelt hat, inklusive integrierter Schutzmechanismen und Langzeit-Update-Fähigkeit. Die Maschine bleibt jedoch für die Gesamt-Compliance der Anlage verantwortlich.Warum ist die Umstellung auf eine 64-Bit-Architektur für den KI-Einsatz in Werkzeugmaschinen wichtig?Die 64-Bit-Architektur ermöglicht die parallele Verarbeitung großer Datenmengen aus hochfrequenten Achs- und Prozess-Sensoren in Echtzeit. Das ist zwingend erforderlich für die Ausführung von Industrial-AI-Modellen zur Qualitätsüberwachung, Schwingungsanalyse oder vorausschauenden Wartung direkt an der Maschine.Welche Fristen des EU Cyber Resilience Act müssen Hersteller beachten?Ab dem 11. September 2026 gilt die Meldepflicht für aktiv ausgenutzte Schwachstellen (Artikel 14). Ab dem 11. Dezember 2027 müssen alle neu auf dem Markt befindlichen vernetzten Industrieprodukte die vollständigen CRA-Anforderungen erfüllen und ein CRA-konformes CE-Kennzeichen tragen.

Fazit

Mit der im Juli 2026 vorgestellten Sinumerik One-Hardwaregeneration liefert Siemens eine CNC-Steuerung, die gezielt auf die gleichzeitige Umsetzung von KI-gestützten Prozessoptimierungen und den strengen Vorgaben des EU Cyber Resilience Act ausgerichtet ist. Die Kombination aus leistungsstarken NCU-Prozessoren, einer 64-Bit-Architektur und einem neuen PLC-ASIC schafft die technischen Voraussetzungen für datenintensive Industrial-AI-Anwendungen, während integrierte Sicherheits- und Wartbarkeits-Features die regulatorischen Anforderungen der kommenden EU-Maschinenverordnung und des AI Act ab 2027 adressieren. Für Werkzeugmaschinenbauer bedeutet das eine deutliche Entlastung bei Compliance-Aufwänden, gleichzeitig aber auch die Verantwortung, eigene Erweiterungen weiterhin eigenständig zu zertifizieren. Insgesamt positioniert sich die Sinumerik One-Generation als zukunftssichere Basis für die digitale, KI-unterstützte Fertigung in einem zunehmend regulierten europäischen Markt.

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