Als es noch Badezimmer ohne Fliesen gab – mit einem sogenannten Ölsockel – konnte man seinen Handtuchhalter nach Lust und Laune anbringen, wo man gerade wollte. Diese Zeiten sind aber schon etwas länger vorüber, heute ist die Nasszelle oft bis an die Decke gefliest. Und Fliesen bohren gehört zu den größten Herausforderungen, die in der Welt des Handwerks auf den Ausführenden lauern. Sogar gestandene Experten verfallen in Demut, wenn im Bad ein Zahnputzbecher seinen Platz finden soll.

Werkzeuge und Prozeduren

Meist verwendet man einen Steinbohrer für das Fliesenbohren. Das funktioniert auch meist zufriedenstellend, obwohl es bessere Werkzeuge gibt. Dennoch sind Vorkehrungen zu treffen. Oft sind Fliesen glasiert, und der Bohrer ist schnell verrutscht. Deshalb muss die Fliese unbedingt vorgekörnt werden. Dazu dient eine Reißzwecke, die mit einem Hammer behutsam angeschlagen wird. Auch ein feiner Vorkörner ist hier angebracht.

Unbedingt zu vermeiden ist ein Springen oder Zerbröseln des Materials, deshalb hilft es, mit durchsichtigem Klebeband das Bohrloch abzukleben. So sieht man jederzeit die gekörnte Stelle. Auch ein sehr dünner Metallbohrer ist die passende Wahl, mit dem man nur in die Glasur bohrt. Anschließend kommt ein kleiner Steinbohrer zum Einsatz, der ohne Schlag bei geringer Drehzahl durch die Fliese geht. Wer unbedingt die Fuge anbohren will – eine beliebte Methode – dem sei gesagt, dass im Falle eines Falles bei diesem Verfahren gleich zwei Fliesen Schaden nehmen können, an einem Fugenkreuz sogar vier.

Der Fliesen- oder Glasbohrer

Oberflächlich betrachtet sieht der Fliesenbohrer wie ein üblicher Metallbohrer aus. Das Werkzeug wurde aber vor allem für Keramik entwickelt, was aber das Ankörnen nicht überflüssig macht. Mit den Keramikbohrern ist die Arbeit aber wesentlich einfacher als mit Stein- oder Metallbohrern. Noch besser eignet sich ein Glasbohrer, der mit Leichtigkeit jede auch noch so harte Fliese durchdringt. Aber bei diesen Spezialbohrern muss die Drehzahl ebenfalls niedrig bleiben. Grundsätzlich gilt: Je größer der Durchmesser, um so niedriger die Drehzahl. 

Diamantbohrkopf und Fliesenfräse

Feinsteinzeug, Naturstein oder Klinker sind extrem harte Materialien, und die Fliesen aus diesen Werkstoffen sollten nur mit dem Diamantkopfbohrer bearbeitet werden. Weil das Fliesenbohren aber Geduld erfordert und der Bohrer heiß werden, sogar glühen kann, ist nicht nur bei diesem Spezialgerät für ausreichende und regelmäßige Wasserkühlung zu sorgen. 

Flexibler Werkzeugeinsatz

Bei der Wahl des geeigneten Bohrers entscheidet der Härtegrad der Fliese. Deren Ritzhärte gibt an, wie widerstandsfähig ihre keramische Glasur gegenüber kratzenden Beanspruchungen ist. Die Skala der Härtegrade reicht von 1 (besonders weich) bis 10 (äußerst hart). Feinsteinzeug wird mit dem Härtegrad 8 angegeben, damit ist es einer der härteren Bodenbeläge. Bis zum Grad 3 der Ritzhärte empfiehlt sich der Fliesenbohrer. Bei noch härteren Fliesen aus Naturstein greift der Handwerker beim Fliesen bohren doch zum Diamantkopfbohrer. Meist werden die Spezialgeräte wie der Glasbohrer nur zum Bohren der Fliese verwendet. Die dahinter befindliche Wand geht der Experte mit dem normalen Steinbohrer an, denn bei diesem Material werden die spezialisierten Bohrer schnell stumpf. Ist man in der Wand angelangt, kann auch wieder der Schlag zugeschaltet und die Drehzahl erhöht werden.

Fliesen bohren – darf man das?

Bei der Beantwortung dieser Frage bewegen wir uns im Bereich der Juristerei, und hier kommt es immer auf den Einzelfall an. Zudem gelten Anwälte und Rechtspfleger als meinungsfreudig, was immer wieder zu Verunsicherungen bei den Beteiligten führt. Der Mieter sollte also Komplikationen bei der Raumausstattung vermeiden, denn ihm drohen eine Sanierung oder Neuverfliesung der gesamten Badestube zu erheblichen Kosten. Gute Chancen bestehen aber, wenn der Vermieter bei der Ausstattung dem Sparzwang anheim gefallen war. Kann man das Badezimmer ohne zusätzliche Installationen nicht recht nutzen, haben auch Gerichte ein Einsehen. Das Landgericht Hamburg befand (Az. 307 S 50/01), dass ein Vermieter am Ende 32 Bohrlöcher akzeptieren musste. Anders das Landgericht Göttingen (Az. 5 S 106/88), denn bei einem voll eingerichteten Bad ist das Bohren ohne erkennbaren Nutzen und stellt eine Sachbeschädigung dar. Der Mieter musste Schadensersatz in erheblicher Höhe leisten.

Bohrfehler und Alternativen

Weil das Fliesenbohren zu den größten Herausforderungen im Handwerkerleben gehört, kommen immer wieder Fehler vor. Mit einem Spezialspachtel für die Fliesen ist dies aber leicht korrigierbar. Überstehende Masse mit einem normalen Spachtel abziehen, nach der Aushärtung glättet man mit Schleifpapier. Außerdem bietet der Handel mittlerweile diverse Klebesysteme. Das Anbringen mithilfe der 2K-Kleber und anderer wird immer populärer, und auch beim Fliesenbohren ist Kleben eine häufig genutzte und sehr praktische Alternative.